Zur Hochzeit werden sehr gern Vom Brautvater oder der besten Freundin, Geschwistern oder anderen sehr nahe stehenden Personen Gedichte über die Braut, den Bräutigam oder einfach das Brautpaar aufgesagt. Nur wie schreibt man am besten ein Gedicht selbst? Dem einen fällt es leicht und ihm fließen die petischen Verse und Reime nur so aus der Feder aber anderen fällt es deutlich schwieriger und er sollte sich lieber helfen lassen, damit das Gedicht auch gut ankommt und nicht zu gekünstelt aufgesagt werden muss. Im folgenden möchten wir ein Beispiel eines Brautvaters geben. Vielleicht hilft Ihnen die kleine Geschichte zukünftig selbst schöne Gedichte für eine Hochzeit oder andere feierliche Anlässe selbst zu schreiben.
Willst du mich lieben immerdar, so hat er schüchtern sie gefragt.
Für sie war es schon lange klar, voll Freude hat sie ja gesagt.
Sie kannte ihn schon ewig lange, und wusste, das wird mal mein Mann.
Doch fragte sie sich manchmal bange, wann beisst er endlich bei mir an?
Nun ist's geschehen, wie ihr hier seht. Die Hochzeit kann gefeiert werden.
So wie das Brautpaar jetzt da steht, wird es das schönste Fest auf Erden.
Geladen sind gar viele Gäste zu Essen, Trinken, Tanz und Spiel.
Sie wünschen alle nur das Beste, der guten Jahre noch recht viel.
Ein schönes Paar steht am Altar, sie werden heut getraut.
Sie haucht ganz zart und leise Ja, sein Ja kommt fest und laut.
Den Damen in der ersten Bank ergriffen Tränen rollen.
Sie freu'n sich für das junge Glück, das feiern sie heut wollen.
Mit Sekt und Torte, das ist klar, wird's lustig nun gar sehr.
Hoch leben soll das Hochzeitspaar, ihr Glück sich stets vermehr.
Und Kindersegen wünscht man auch, denn das gehört dazu.
So ist es bei der Hochzeit Brauch, man schenkt gleich Babyschuh.
Vom Schreiben eines Gedichtes zur Hochzeit: Der Brautvater steht auf, erhebt das Sektglas und schlägt mit dem kleinen Löffel dagegen. Das Leinentuch des Kaffeetisches ist noch weiß und unbefleckt, wie, so hoffte er, die Ehe seiner Tochter. In den Saal kommt Ruhe. Gerade der rechte Augenblick von entspannter Heiterkeit, jener Heiterkeit zwischen formeller Trauzeremonie und allgemeiner Auflösung in den ausgelassenen Rausch der Feier. Was nun kommt, wissen wohl die allermeisten: ein Toast auf das Brautpaar, ein Gedicht zur Hochzeit. Der Brautvater zupft an seinem Jackett, die Blume droht ihm aus dem Knopfloch zu rutschen. Dunkle Ränder unter den Augen verraten die letzte durchwachte Nacht. Aus der Innentasche holt er ein Stück Papier, es ist mindestens fünf Mal gefaltet und gerollt. Auf dem Blatt steht ein Gedicht zur Hochzeit seiner Tochter. Selbst geschrieben. Es war ihm nicht leicht gefallen. Er hatte verschiedene Ziele. Er wollte seine wundervolle Tochter beschreiben und würdigen, damit der Ehemann auch weiß, was für einen Schatz er da erhält. Zwar sollte das Gedicht zur Hochzeit einen Unterton warnend haben, doch durfte ihm auch nicht die Ironie fehlen, denn schließlich lebte man nicht mehr im Mittelalter, wo die Frau nicht selbst in der Lage war, ihre Rolle im Leben selber zu bestimmen. Und schließlich sollte ein Gedicht zur Hochzeit einen Unterhaltungswert haben, nett geschrieben und gereimt sein. Gäste langweilen sich bei den hausbackenen Laienstückchen und ziehen es für wenige Augenblicke vor, sich unter das Tischtuch verkriechen zu können und gerne unsichtbaren wären. Besser ist schon, sie wissen sich vor Lachen nicht zu halten.
Jeden Abend saß er zurückgezogen in seinem Arbeitszimmer am Computer und suchte im Internet. Er hatte in Stichpunkten die Gliederung vom Gedicht zur Hochzeit vor sich. Nun suchte er nach Wörtern, die seinen Gedanken entsprachen. Dann, und das war komplizierter, suchte er nach Wörtern, die seinem nächsten Gedanken entsprachen und sich zugleich auf die vorangegangenen Wörter reimten. Das Gedicht zur Hochzeit wurde rund. Die Anzahl der Zeilen stimmte und auch die Anzahl der Silben war annähernd in jeder Zeile gleich. Zusätzlich ließ er sich im Internet von anderen Gedichten zur Hochzeit inspirieren und stibitzte aus einigen Hochzeitsforen die eine oder andere Idee und wirkte sie in das Gewebe seines Kunstwerkes. Seine Frau grummelte schon. Er verwende zuviel Zeit auf diese Arbeit und vernachlässige sie. Prompt wurde auch diese Lebenserfahrung als gut gemeinter Rat eingearbeitet. Eines Abends warf er sich in den Sessel und knipste den Fernseher aus und gab seiner Frau sein Gedicht zur Hochzeit zu lesen. Sie nahm mehrmals beim Lesen die Brille ab, setzte sie wieder auf um besser lesen zu können, auch, um es besser verstehen zu können. Ein Gedicht zur Hochzeit war ja eine gute Idee. Wenn man es denn konnte! Sie wusste nicht, wo sie bei dem Wortgestolper ihre Kritik ansetzen sollte. Sich einmal laut vorlesen, riet sie ihm. Vielleicht merkte er selber, dass das so nicht ging. Die nächsten Abend übte er das Deklamieren. Er sprach nicht noch mal mit seiner Frau und so kamen ihm am letzten Abend vor doch der Hochzeit die Zweifel, ob es wohl gelungen war, sein Gedicht zur Hochzeit.